Aus dem Achimer Kreisblatt vom 29. Dezember 2006:
Die "Kötelbörger" und ihre Festung
Die Geschichte der Burg Langwedel - Teil 1 / Einst als Grenzbefestigung des Erzbischofs von Bremen angelegt
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on Rolf Göbbert

Die geschichtliche Bedeutung des Ortes Langwedel mit der Burganlage und dem erzbischöflichen Schloss wurde jetzt durch die Funde beim Umbau der Badeanstalt erneut belegt und sorgt immer wieder für Spekulationen über das Leben vor einigen hundert Jahren. Neben den historischen Fakten gibt es auch Erzählungen um die Burg Langwedel, die die Fantasie bis heute beflügeln.
Von dem großen Schlossberg, auf dem die Hauptburg stand, ist nur noch ein kleiner Hügel übrig geblieben, der den Ortsansässigen als Mühlenberg bekannt ist.
Im Jahre 1978 wurde zur 750-Jahrfeier auf dem Gipfel des Hügels eine kleine Abbildung einer Festungsanlage aus Sperrholz errichtet, die natürlich der Dimension der historischen Burg Langwedel auf keinen Fall gerecht wurde.
Die Bewohner der Nachbarorte bezeichneten diese Nachbildung als "Kötelburg" und die Langwedeler abschätzig als "Kötelbörger".
Die Bezeichnung "Kötelbörger" stammt allerdings schon aus früheren Jahrhunderten. Langwedel bestand einst aus kleinen landwirtschaftlichen Betrieben, die nicht größer als 17 Hektar waren. Die Bewohner kleiner Hütten oder Häuser nannte man Kote bzw. Kate oder "Katenbürger". Daraus leiteten die Einwohner der Nachbarorte "Kötel" (Schafskot) und plattdeutsch den "Kötelbörger" ab.
Doch nur wenige kannten vor 30 Jahren die Bedeutung dieser Burg oder wussten um die räumlichen Ausmaße.
Der frühere Pastor Willenbrock aus Daverden war einer der ersten Historiker, der sich der Geschichte der Burg Langwedel annahm und im Jahre 1928 in dem Schriftwerk "Das Kirchspiel Daverden" sein Wissen veröffentlichte. Im Jahre 1959 gab es eine Neuauflage mit verschiedenen Ergänzungen.

Die Sperrholz-Burg im Jahr 1978

Das sah zwar sehr farbenprächtig aus, was sich da rund um eine "Burg" aus Sperrholz im Jahr 1978 auf dem Langwedeler Burgberg abspielte, hatte aber mit der Realität wenig zu tun. Allein die echte Burg war um einiges größer.

In jüngster Zeit haben die Recherchen von Prof. Dr. Armin Schöne aus Langwedel für Aufsehen gesorgt. Akribisch wurden Urkunden aus Bremen, Verden sowie aus Staatsarchiven aufgearbeitet und Kartenmaterial aus Dänemark und Schweden gesichtet, denn die Erzbistümer Bremen und Verden gehörten im 17. Jahrhundert zu Schweden.
Im Heimatkalender 2003 des Landkreises Verden hat der Maschinenbauingenieur im Ruhestand etwa 500 Jahre Burggeschichte aufgearbeitet, sowie die Zeit danach mit historischen Funden bis in die Gegenwart.
Die erste urkundliche Erwähnung der Burg Langwedel findet man im Jahre 1226.
An der Grenze zum Bistum Verden ließ Erzbischof Gerhard II die Burg als Grenzbefestigung des Erzbistums Bremen errichten, um den Raum zwischen Weser und Wümme zu sichern. Die Burg Langwedel wurde als Wasserburg angelegt, die aus dem Langwedeler Mühlenbach gespeist wurde. Dieses Gewässer, in früherer Zeit "Faristina" genannt, ist mit dem Bach von heute nicht zu vergleichen. Dieses liegt nicht nur an dem Verlauf des Grabens. Auch die Abmessungen mit dem nördlich gelegenen Mühlenbachsee, um die nördliche Flanke vor Angreifern zu sichern, sind mit dem heutigen Mühlenbach nicht vergleichbar. Die Burg, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ausgebaut und vergrößert wurde, bestand später aus einer Vorburg und einer Hauptburg mit einem erzbischöflichen Schloss und zwei Türmen, die auf zwei bis zu sieben Meter hohen Schlossbergen standen.
Im Jahre 1822 ergab eine Vermessung, dass der Berg der Vorburg eine Fläche von ca. 5.700 m2 und der Berg der Hauptburg eine Fläche von ca. 8.800 m2 hatte. Laut einer Karte aus dem 17. Jahrhundert betrug die Breite des Burggrabens 32 bis 55 Meter.
Dieser Burggraben wurde durch ein Stauwerk in Höhe des heutigen Landhandels "Rehbock" angestaut. Dort befanden sich eine Wassermühle und eine Zollstation, von der aus die Heerstraße auf einem erhöhten Damm in Richtung Langwedel-Förth führte. Von der Burg aus konnte so die flache Moor- und Marschumgebung überwacht werden.

Der Mühlenteich

Wo heute in der Hochsaison Autos parken, befand sich einst der Mühlenteich. Ursprünglich war die Burg auch als Wasserburg angelegt.

Die Burg hatte im Laufe ihrer langen Geschichte so manche kriegerische Auseinandersetzung zu bestehen. Oftmals wurde der Flecken dabei völlig vernichtet und niedergebrannt. Eine wechselhafte Geschichte erlebte die Burg im 30-jährigen Krieg bis zum Jahre 1648.
Die Kämpfe zwischen den kaiserlichen Truppen (Katholiken) und den protestantischen Truppen führten zur Verwüstung der heimischen Region und zu einer starken Verarmung der Bevölkerung.
Nachdem durch den Nordischen Krieg 1712 die Herzogtümer Bremen und Verden an Hannover fielen, lag Langwedel innerhalb des Kurfürstentums und verlor somit militärisch an Bedeutung. Ob die Burg zuvor völlig zerstört oder allmählich nach dem Verlust der Grenzlage verfiel, ist nicht eindeutig zu klären.
Die neuen Eigentümer aus Hannover haben jedenfalls keine Investitionen für Renovierungsarbeiten getätigt, so dass die Burganlage verfiel.

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