Aus dem Achimer Kreisblatt vom 23. Februar 2007:
"Ich trau' meinen Augen nicht"
Überreste des Schlosses Langwedel am Burgberg frei gelegt / "Ein massives mehrgeschossiges Rotsteingebäude"

LANGWEDEl (jw) . Es war am Montag. Dr. Jutta Precht war mit dem Fotografen und Grafikdesigner Ralf Reincken unterwegs. Der Kirchlintelner will für die Kreisarchäologin eine 3-D-Darstellung der Langwedeler Burg machen. Man steuert die Baustelle des Langwedeler Freibades an. "Und da hab' ich gedacht, ich trau' meinen Augen nicht", so eine begeisterte Jutta Precht.
Im Eingangsbereich des Freibades, dort wo es noch im Sommer über ein paar Stufen von den Fahrradständern die Böschung hoch zur Kasse ging, hat man ein dIckes Stück Mauer freigelegt.
Aber nicht irgendeine Mauer. Bei aller gebotenen Zurückhaltung steht für die Archäologen fest: Es handelte sich um Überreste des ehemaligen Schlosses Langwedel.

Die Mauerreste des Schlosses

Ortsbürgermeister Jürgen Luttmann, Bürgermeister Andreas Mattfeldt und Kreisarchäologing Dr. Jutta Precht (v.li.) gestern Morgen vor den Mauerresten des Schlosses Langwedel. Foto: Wenck

Legt man alte Pläne der Burg und neuere Katasterauszüge übereinander, wie im Heimatkalender 2003 zu sehen, deutet vieles darauf hin, dass man die Überreste des Gebäudes gefunden hat, das den Übergang zur Hauptburg sicherte.
Gefunden hat man eine Zwei-Schalen-Mauer: Auf zwei Seiten sauber gemauert, in der Mitte mit Steinen und Mörtel verfüllt. Am Fundament lässt sich erkennen, dass hier unten auch Feldsteine verwandt wurden. Gefunden hat man hier zudem einen Türangelstein. "Die kannten damals schon Bauschutt-Recycling", so Rathaus-Bauingenieur Horst Jüntgen.
Die älteste Inventarliste, die man vom Schloss Langwedel hat, ist von 1566 - also muss die gefundene Mauer älter sein. Nur wie alt, lässt sich nicht sagen. "Ein massives Rotsteingebäude, mehrgeschossig, mit Fenstern", so könnte und dürfte das Schloss Langwedel ausgesehen haben. Die Größe? "Nehmen sie mal den Amtshof in Ottersberg und ziehen sie noch ein ganzes Stück ab", so Jutta Precht.

Der alte Burgplan

Aus dem Heimatkalender 2003: der alte Burgplan über der Katasterkarte. Grün eingezeichnet das Umkleidegebäude, blau die alten Schwimmbecken.

In Begeisterung versetzte die Archäologen gestern noch ein kleines Fundstück: Leder. "Knochen, Eisen und Keramik finden sie hier ohne Ende", so Bernd Steffens, Grabungshelfer der Kreisarchäologie, der auch bei der Freilegung der Holzreste der Burgbefestigung im vergangenen Jahr dabei war. "Das ist das erste Stück Leder, das wir hier geborgen haben."
"Aus der ersten Emotionalität heraus" hat sich auch Gemeindebürgermeister Andreas Mattfeldt über den überraschenden Fund gefreut. "Vergessen darf man aber auch nicht, dass das alles Geld kostet." Rund 25.000 Euro sind für die Grabungsarbeiten auf dem Freibadgelände schon aufgelaufen. "Die Arbeitsstunden vom Bauhof und der Kreisarchäologie nicht mit gerechnet."
Jetzt dürfte noch etwas dazu kommen. Ortsbürgermeister Jürgen Luttmann hat schon Begehrlichkeiten angemeldet, die über das Aufstellen von Schauvitrinen im Eingangsbereich des sanierten Burgbades hinaus gehen. Auch das Mauerstück möchte man in Zukunft der Öffentlichkeit und der Nachwelt präsentieren.
Ob und wie das möglich ist, hängt auch von der Auskunft der Restauratoren ab, bei denen Dr. Jutta Precht sich Rat holen will, wie die Mauer am besten zu konservieren ist. Schon jetzt setzt die feuchte Witterung dem freigelegten alten Kalkmörtel und den Rotsteinen zu.

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