Aus dem Achimer Kreisblatt vom 6. Januar 2007:
1902 und 1922 zweimal gegründet
Klaus Bischoff vom Heimatverein Achim hat die Geschichte der Bremer Simonsbrotfabrik zu Achim aufgearbeitet

ACHIM. Die Achimer Brotfabrik am Fritz-Lieken-Eck, mittlerweile zur Kamps- beziehungsweise italienischen Barilla-Gruppe gehörend, war 2006 von Arbeitsplatzabbau und ist noch von Zukunftsängsten geprägt. Es handelt sich um ein geschichtsträchtiges Unternehmen, wie Klaus Bischoff vom Heimatverein Achim beschreibt.
Die Brüder Gustav und Ernst Simons hatten ein Brotbackverfahren aus gemalztem ungemahlenem Getreide soweit verbessert, dass sie für dieses Verfahren ein Patent erhielten.
Am 15. Januar 1902 wurde dann die eingetragene Genossenschaft "Bremer Simons-Brotfabrik zu Achim" gegründet, die dieses neue Brot backen und verkaufen wollte. Man baute gegenüber vom Achimer Bahnhof das Fabrikgebäude, dass heute noch in seinen Umrissen zu erkennen ist.
Doch die Entwicklung war für die Simonsbrotfabrik nicht rosig. Der erste Weltkrieg änderte die wirtschaftliche Lage im Lande so nachhaltig, dass man sich um 1920 gezwungen sah, die Fabrik stillzulegen. Das erste Kapitel in der Geschichte der Firma endete also enttäuschend, aber die Idee lebte weiter und wurde von Fritz Lieken aufgegriffen.

Das Firmenzeichen
Das Firmenzeichen, der Schlüssel mit dem Schriftzug "Achimer". Repro: Bischoff

Der am 30. Dezember 1895 geborene Fritz Lieken aus Burhave, übernahm 1922 die damals stillgelegte Bremer Simonsbrot-Fabrik. Mit Hilfe einer Oldenburger Bank, die dem damals 27-jährigen ihr Vertrauen schenkte, eines einzigen Gesellen, seines betagten Vaters und seiner Frau packte Fritz Lieken die Arbeit in Achim an.
Bevor es losgehen konnte, hatte er jedoch Schwierigkeiten zu überwinden. Der Bürgermeister hatte nämlich die Baubehörde schon angewiesen, die Fabrikationsräume Iin Wohnräume umzuwandeln und die Backöfen herauszureißen.
Hätte es Fritz Lieken nicht geschafft, die einsichtsvolle Baubehörde umzustimmen, hätte die Simonsbrot-Fabrik für alle Zeiten aufgehört zu fabrizieren. Durch das Backen von Brot zu Selbstkosten für die minderbemittelte Bevölkerung überwand Fritz Lieken diese Hürde. So zu lesen in der Firmenzeitschrift "Volles Korn".
1925 wurde erstmals in Deutschland Schnittbrot in Papier verpackt und als Markenartikel verkauft. Schon 1926 gelang die Haltbarmachung ohne Verwendung chemischer Mittel durch Verpacken in Stanniol und anschließender Hitzebehandlung.
Bald musste dreimal in der Woche nach Hamburg geliefert werden. Für die Fahrt zum Bahnhof Sagehorn wurde der erste Lastkraftwagen in Achim angeschafft.
Im Jahre 1933 wurde nach der Weiterentwicklung des Simonsverfahrens zum Lieken-Simons-Verfahren eine neue Spezialmühle mit Wasch- und Quellanlage gebaut.
Damals beschäftigte die Achimer-Simonsbrot-Fabrik 60 Männer und Frauen, die täglich 6.000 Brote herstellten und verkauften. Damit wurde die Ernte von 300 Bauernhöfen verarbeitet.

Die Herren Fritz Lieken und Alfred Batscheider taten sich zusammen
Marktführer Lieken Urkorn / Später Wechsel zu Schneider mit ErdalRex, Wendeln, Kamps und zum italienischen Nudelhersteller

ACHIM. 1935 gründete Fritz Lieken zusammen mit Alfred Batscheider in Deisenhofen, wo Batscheider schon seit 1924 Vollkornerzeugnisse herstellte, die Batscheider Knäckebrot-Fabrik. Die beiden Herren hatten sich auf einer Schwedenreise die ersten Vorkenntnisse und Anregungen für die Knäckebrotherstellung geholt.
Nachdem Fritz Lieken 1937 auch die Kasseler Simonsbrot-Fabrik übernahm, war der Grundstein für die ABK-Gruppe (Achimer, Batscheider, Kasseler) gelegt, die seinerzeit unter der Marke Lieken Urkorn Marktführer für Vollkornbrote in Deutschland wurde.
Der zweite Weltkrieg behinderte zwar den Ausbau des Unternehmens, die Produktion in Achim ging aber weiter. Nach Kriegsende knüpfte Lieken die abgerissenen Verbindungen zu den Firmen Batscheider und Kasseler, die ausgebombt nach Eschwege ausgelagert wurde, neu. Und besonders das Achimer Werk erlebte eine rasante Entwicklung. 1950 betrug der Jahresumsatz 700.000 DM und zehn Jahre später 12 Millionen DM.

Der erste Lkw
Fritz Lieken und der erste Lkw, der das Brot zum Bahnhof Sagehorn brachte.
Das erste Gebäude
Um 1905 sah das erste Gebäude der "Bremer Simonsbrot-Fabrik zu Achim" so aus.

1961 verstarb Fritz Lieken im Alter von 66 Jahren. Seine Witwe Maria heiratete nach seinem Tod den lang-jährigen Geschäftspartner ihres Mannes, Alfred Batscheider. So kamen die beiden Werke in eine Hand. Beide Werke wurden 1973 an die Familie Schneider aus Mainz verkauft, der unter anderem Erdal Rex gehörte.
1976 wurde die erste nationale Brotmarke eingeführt. Produkte aus den ABK-Betrieben hießen fortan Lieken Urkorn. 1994 erwarben die Kasseler ihre "Schwesterfirmen" und verkauften diese dann vier Jahre später an die Firma Wendeln.
Im Jahre 2000 kaufte die Kamps-Gruppe die Fabrik von Wendeln. Die Achimer Brotfabrik wurde Teil der Wendeln Brot Nord-West GmbH & Co KG in der Kamps AG. Ende 2006 ist nicht klar, wie es mit dieser "alten" Achimer Firma weitergeht.

Wie das Firmenlogo entstand

ACHIM. Wilhelm Gercke aus Achim hat kurz vor seinem Tode noch aufgeschrieben, wie es zum Markenzeichen, dem Bremer Schlüssel mit dem Achimer darüber, gekommen ist.
Um etwa 1900 taten sich mehrere Bremer Kaufleute zusammen, um das neuartige Backverfahren eines Herrn Simon auszuwerten. Zum Backen sollte kein Roggenmehl wie üblich verwandt werden, sondern ungemahlene Körner wurden angekeimt, gequetscht und erst dann verbacken. Das Simonsbrot war ein längliches sehr dunkles Roggenbrot. Nach Formung des Teiges wurden die Brotlaibe auf den Ofentisch gelegt und zwischen jeder Reihe Brote kam ein dünner Blechkasten, der mit Wasser gefüllt war. Die Kästen wurden in Klempnerarbeit angefertigt. Sie wurden im Betrieb stark beansprucht und mussten daher laufend repariert und ergänzt werden. Der Vater von Wilhelm Gercke, Friedrich Wilhelm Gercke, bekam den Auftrag für die Wartung und Neuanfertigung der Blechkästen und stand damit laufend mit der Achimer Simonsbrot-Fabrik in Verbindung.
So erhielt er auch eines Tages den Auftrag, einen Blechstempel anzufertigen, den man leicht in die noch ungebackenen Brotlaibe eindrücken konnte. "Mein Vater fertigte einen Stempel an mit einem Schlüssel und dem Wort "Achimer", berichtet Gercke.

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